Wettlauf der Teppich Krieger 1998


Es hat geregnet am Morgen des 12. Oktober 1998 in Erlangen, es hat sogar so sehr geregnet, dass alle Passanten, die man nach dem Weg  zum Uni-Südgelände hätte fragen können, wohl längst ertrunken waren, was mitsamt Verkehrschaos zu etwa einer Stunde Verspätung, glücklicherweise aber bei allen Organisatoren, führte. Was soll's, der Zeitplan war großzügig und schließlich ist sogar ein Schlüssel für den Raum aufgetaucht, den die Uni netterweise zur Verfügung gestellt hat. Der halbe Neurobotik e.V. war inzwischen eingetroffen -- Neurobotik, so heißen wir, die Zuständigen für Organisation und Durchführung des Rug Warrior Hindernislaufs '98. Wir haben also organisiert und durchgeführt, Kisten gekarrt und gebangt, dass unsere Autos nicht abgeschleppt werden, bis die Hauptakteure dieses Tages eingetrudelt waren. Alles in allem sollten fünf mit Elektronik versehene Nachttöpfe in Wettfahrten gegeneinander antreten und unter Beweis stellen, was ihre Betreuer so geleistet haben (oder auch nicht). Die Aufgabenstellung war mit anderen Worten recht einfach, ein etwa 10m langer und 2m breiter Parcours mit einigen Hindernissen sollte vom Start zum Ziel durchfahren werden, wobei das Ziel durch eine helle Lichtquelle markiert war. An den Start gehen durften Roboter, die auf dem Rug Warrior Bausatz basieren, d.h. kleine runde Dinger von etwa 15cm Höhe mit zwei Rädern, den dazugehörigen Motoren und ein wenig Sensorik. Üblicherweise umfaßt die Sensorik drei Bumper, um Kollisionen festzustellen, zwei Infrarotsensoren, die entfernte Hindernisse entdecken können, und zwei Photodioden, mit deren Hilfe Lichtintensitäten gemessen werden können. Soweit so gut, wir waren zwar nicht frisch ausgeruht, haben aber doch den Parcour aufgebaut, weil man sowas gerne tut. Nach einigem Hin und Her enthielt dieser unter anderem drei U-förmige Hindernisse, zwei kleine links und rechts und ein größeres in der Mitte -- was für ein Tiefschlag. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Teams schon mißtrauisch beäugt und die eine oder andere Frage zu Taktiken und Modifikationen an den Robotern beantwortet. Hier also eine kurze Aufstellung der Teams mit ihren Schützlingen:
Team Coburg, das waren Dieter Becker und Marco Reichel mit ihrem Rug Warrior, der -wie fast alle anderen auch- die obige Sensorik samt und sonders zu seinem Vorteil nutzen wollte. Team Erlangen, das heißt Torsten Merz und Carmen Frank, war dann auch gleich die Ausnahme und verzichtete auf die IR Sensorik und eine Photodiode. Die Verbliebene war im Gegenzug aber mittig und erhöht angebracht. Außerdem hatten die beiden die Batteriespannung für die Motoren stabilisiert. Team Fränkische Schweiz in persona Jürgen Seyberth, der Favorit aus dem Vorjahr, startete aufgrund von Zeit- und Hardwareproblemen auch mit der Software des Vorjahres, Team Rostock - namentlich Bernd Worsch - hingegen mit neuer Software, bei der wegen Zeitmangels leider auf Vorab-Tests verzichtet wurde. Last but not least war da noch Team Wolfenbüttel bzw. Werner Lehnberg mit seinem Rug Warrior Pro etwas jüngeren Baujahrs.
Nach dem Mittagessen wurde es schließlich kribbelig, in fünf Läufen sollten jeweils drei Rug Warrior gegeneinander antreten, wobei jedes Team genau einmal von jeder der drei Startpositionen losfahren mußte. Laut den gelosten Startziffern waren dies im ersten Lauf die Teams Coburg, Rostock und Erlangen. Auf Los geht's los, ein Aufschrei geht durch die Menge der Zuschauer und nach einer halben Minute ist Erlangen über die Ziellinie hinweg, gewissermaßen ehe man auch nur mit der Wimper gezuckt hat. Während dieser Zeit hatte der einäugige Roboter einige Doppeldrehungen hingelegt, um während der ersten 360° die maximale Lichtintensität zu ermitteln und die zweite Drehung an eben dieser Stelle zu stoppen, anschließend gings geradeaus weiter, der Sonne entgegen. Was aber ist mit Coburg und Rostock passiert? Zunächst fällt auf, daß sich Rostock viel gemächlicher bewegt als die beiden Konkurrenten, kurze Zeit später, daß Coburg Probleme mit Hindernissen hat, die an der rechten Bande liegen. Dann findet Rostock ein erstes der U-förmigen Hindernisse und verweigert dort den Dienst. Coburg andererseits schafft es nach etwa 3,5 Minuten ins Ziel. Der zweite Lauf folgte unmittelbar, am Start sind Rostock, Erlangen und das Team Fränkische Schweiz. Erlangen besticht abermals mit seinen Pirouetten und einem Zieleinlauf nach 42 Sekunden. Team Fränkische Schweiz legt eine wippende Samba Performance aufs Parkett, das ist hübsch anzusehen aber hinderlich und im übrigen auch nicht beabsichtigt. Im Ziel zeigt die Uhr 3 Minuten 15 Sekunden. Team Rostock hat zwischenzeitlich einige weitere Us entdeckt, nur um diese eingehender zu untersuchen. Nun betritt erstmals der RW Pro aus Wolfenbüttel die Bahn, er muß sich im dritten Lauf mit Erlangen und der Fränkischen Schweiz messen und erreicht nach agiler Fahrt mit einer Zeit von etwas über einer Minute nur knapp nach dem Team Erlangen mit 50 Sekunden das Ziel. Leider beschränkt sich die Samba des Teams Fränkische Schweiz diesmal auf einen Rundkurs zwischen drei Hindernissen, das war also nix. Im Lauf Nr. 4 hält sich Wolfenbüttel etwa an seine Zeit von einer Minute plus x, das reicht für den Sieg über die Konkurrenz aus Coburg (ja, da rechts sind immer noch Hindernisse) mit drei Minuten und  unseren Sambakandidaten, der erneut passen muß. Das Ende naht, im letzten Lauf sind Wolfenbüttel, Coburg und Rostock vertreten. Rostock darf kurze Zeit Hoffnung schöpfen, die Us sind umgangen, der Weg vermeintlich frei, aber nein, eine Wand bedeutet das unspektakuläre Aus. Wenn das mal kein Fiasko gewesen ist. Coburg schleicht sich derweil am rechten Rand entlang ins Ziel, die Zeit von diesmal unter drei Minuten reicht für den Sieg in dieser Runde, denn Wolfenbüttel erreicht wegen einiger Unklarheiten bezüglich der einzuschlagenden Fahrtrichtung, an denen das große U nicht unschuldig ist, erst nach drei Minuten und 20 Sekunden das Ziel.
An dieser Stelle schönen Dank an unseren Schiedsrichter Dirk Wehowsky, der die folgende Gesamtwertung errechnet hat: Team Erlangen siegt unangefochten vor Team Wolfenbüttel, sehen lassen kann sich auch noch das Team Coburg auf Platz drei, wohingegen Team Fränkische Schweiz mit Platz vier und Rostock, das sich mehr der Suche nach Us als der nach dem Ziel gewidmet hat, als Nummer Fünf die hinteren Plätze belegen.
Zum Abschluss durfte jedes Team ein Statement abgeben, es gab Urkunden, Gespräche, einen abendlichen Kneipenbesuch und am nächsten Tag die Theorie zur Praxis beim zweiten Robotik Workshop der Uni Erlangen. Das war's, wir hoffen es hat Spaß gemacht und danken allen Teilnehmern und Helfern. Falls wir Zeit und Lust finden, gibt es vielleicht wieder einmal FREUDE, ENTTÄUSCHUNG und DRAMATIK beim Rug Warrior Hindernisslauf.

AUTOR_Bernd