Rundbrief Nr. 3


Logbuch der U.S.S. Miracle

Das Gehirn. Wunderwerk der Natur.
Wir befinden uns im Jahr 2050 auf der
U.S.S. Miracle mit einer Besatzung von
über 400 Mann und dringen in Regionen
vor, die nie zuvor ein Mensch erforscht hat.


Sternzeit 16. Dezember 1996
Der Captain:


Eintrag ins Logbuch


Wir treffen uns am Freitag, den 3. Januar 1997, um 20.00 Uhr bei Thiemo in Ebermannstadt.


(1) Projekt: „Rug Warrior“ (MR; RD, JS, TR, SS)

Noch besitzen wir keine Verhaltensprogramme für den Rug Warrior, da wir uns mit seiner Software bisher kaum beschäftigt haben. Die Hardware dagegen wird demnächst einsatzbereit sein. Die mechanischen und elektrotechnischen Teile des Bausatzes vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) zusammenzubauen, erfordert entsprechende Fähigkeiten. Wir konnten den Bausatz über unser Budget für Mobile Roboter finanzieren.


(2) Projekt: „World-Wide-Web Suche“ (WB; ME)

Wir haben begonnen, im World Wide Web nach Mobilen Robotern Ausschau zu halten. Neben dem Rug Warrior (http://www.joker-robotics.com/mobile/mobile.E.html) und Rug Warrior Schwärmen (http://www.informatik.uni-stuttgart.de/ipvr/bv/autolife/), sind wir auf den großen B21 (http://rwii.com/catalog/B21.html) und andere Roboter von RWI (http://rwii.com/) gestoßen. Nach diesem kleinen Einstieg möchten wir eine eher umfassende und systematische Suche durchführen.


(3) Vortrag: „Überblick über das menschliche Nervensystem“ (TR)

Grundlage der menschliche Software, des Bewußtseins, ist das Nervensystem. Das Wissen über das Gehirn, seine Funktionsweise und seine Struktur ist klein, wächst aber ständig an. Zu der sog. Neurowissenschaft tragen Medizin, Biochemie, Informatik und viele andere Fachrichtungen bei. Wir möchten mit einem kleinem Vortrag einen Überblick über das menschliche Nervensystem erhalten.


(4) Vortrag: „Warum altern wir ?“ (SS)

Immer mehr Biologen, Biochemiker und Mediziner forschen, um zwei Fragen zu beantworten: Warum altern wir ? Was können wir dagegen tun ? Die Altersforschung began 1961 mit einem Versuch von Leonard Hayflick. Er wollte wissen, ob der Körper als Ganzes oder die einzelne Zelle altert. Er entnahm einem Fötus Zellen und verpflanzte sie auf eine Petri Schale. Die Zellen verdoppelten sich und verdoppelten sich. Nachdem sie sich ca. 100 mal geteilt hatten, stoppten sie und fingen an, abzusterben. Hayflick wiederholte sein Experiment mit den Zellen eines 70 Jährigen. Dessen Zellen begannen sehr viel früher abzusterben. Sie teilten sich nur ca. 20 bis 30 mal. Die Frage muß also lauten: Warum altern und sterben einzelne Zellen ? In den letzten Jahren versuchen die Forscher mit ganz unterschiedlichen Theorien zu antworten: (1) Vergiftung durch freie Radikale; (2) „Karamel“ Theorie; (3) Beschädigung der DNA; (4) Verkürzung der Telomere. Die verschiedenen Ansätze stellt uns Sandra in einem kleinen Vortrag dar.


(5) Fragestellung: „Kriterien für künstliches Leben ?“ (SB, TR, SS, MR;)

Eine unserer Thesen ist: „Bewußtsein, Denken, Intelligenz setzt Leben voraus.“ Da es uns um künstliche Intelligenz geht, fragen wir: Kann ein Gebilde überhaupt leben, wenn es mechanisch und nicht biochemisch funktioniert ? Wie muß ein Mobiler Roboter sich verhalten, damit ein Beobachter ihn als Lebewesen bezeichnet ? Kommt Fortpflanzung bei Lebewesen nur typischerweise vor, oder muß sich auch künstliches Leben fortpflanzen ? Setzt Bewußtsein, Denken, Intelligenz wirklich Leben voraus ? Um ansetzen zu können, griffen wir auf Erkenntnisse aus der Biologie zurück. Unser Ergebnis war: Die in der Biologie entwickelten Kriterien zur Unterscheidung von belebten und unbelebten Systemen passen nur für biologisches Leben. Für künstliches Leben müssen andere Kriterien gefunden werden. Künstliches Leben erfordert einen Überlebenswillen. So muß ein Mobiler Roboter spüren, daß seine Energiereserven sinken. Als Reaktion muß er sich z.B. auf die Suche nach einer Aufladestation begeben. Hat er eine gefunden, so wird er feststellen müssen, daß noch andere Mobile Roboter Strom zapfen wollen. Die Aufladestation bietet aber nur Platz für einen. Was nun, kleiner Mobiler Roboter ?


(6) Veranstaltung: Deutschlandweites Treffen in Hamburg (MR;RD)

Für die erste Hälfte des nächsten Jahres planen wir ein deutschlandweites Treffen in Hamburg. Wir stellen uns eine Wochenendveranstaltung vor, auf der wir Vorträge halten, Projekte vorführen, ein Musical (Cats oder Phantom der Oper) besuchen und auch sonst viel Spaß haben.


(7) Organisation: Budget (MR; RD)

Unserer Budget für Mobile Roboter (Einkauf, Zusammenbau, Betrieb, etc.) wurde in Höhe von DM 2000,- eingerichtet. Für den Kauf des Rug Warrior Bausatzes incl. Pyrosensor haben wir DM 1135,- eingesetzt. Wenn der Rest des Budgets für die nächsten Ausgaben nicht aussreicht, können wir mit seiner Erhöhung rechnen. Neben dem Buget für Mobile Roboter besteht ein kleines Budget für Bücher.


(8) Organisation: Zentraler Rechner (TR, MR;)

Alle Welt spricht von Multimedia, manche von virtuellen Bibliotheken. Die Realität sieht anders aus. Zwar stellen wir uns einen „Zentralen Rechner“ vor, der 24 Stunden am Tag zugänglich ist, um zentral Informationen abzurufen und abzuspeichern. Doch wie wir dies kostengünstig und mit wenig Zeitaufwand realisieren können, wissen wir nicht.


(9) Organisation: Gemeinsame Literatur (MR;)

Folgende Bücher und Schriften können bei mir ausgeliehen werden, soweit sie nicht gerade ausgeliehen sind:

Maar, Christa / Pöppel, Ernst / Christaller, Thomas, Die Technik auf dem Weg zur Seele, 1996
Jones, Joseph L. / Flynn, Annita M., Mobile Roboter, 1996 (JS)
Zell, Andreas, Simulation Neuronaler Netze (TR; JS)
Hoffmann, Norbert, Simulation Neuronaler Netze, 2. Aufl., 1992 (BW;)
Van de Velde, Walter, Toward Learning Robots, 1993
Dillmann, Rüdiger / Huck, Martin, Informationsverarbeitung in der Robotik, 1991
Ebner, Marc, Robuste Extraktion sich bewegender Objekte aus einer mit dynamischer Kamera aufgenommenen Videosequenz, 1996
Ebner, Marc, Parallele genetische Algorithmen auf einem Neurocomputer, 1995
einige Publikationen des bmbf (z.B. Bundesforschungsbericht, Deutscher Delphi Bericht).


(9) Grundlagen: Was ist die U.S.S. Miracle ? (TR, MR;)

Wir müssen klären: Was ist die U.S.S. Miracle ? Wohin soll sie fliegen ? Die U.S.S. Miracle soll ein lockerer Zusammenschluß von (zukünftigen) Forschern, Unternehmern und Entwicklern mit bestimmten gemeinsamen Interessen sein, wie z.B.: Bewußtsein, Gehirn, Neuronale Netze, Mobile Roboter sowie künstliches Leben. Die Crew Mitglieder müssen technologie- und innovationsfreundlich sein. Sie haben den Wunsch, zu einem Team von Profis zu gehören, weil bestimmte Erfolge nur gemeinsam zu erreichen sind. Der bisher bestehende lockere Zusammenschluß, der für niemanden irgendwelche Verpflichtungen begründet, verwandelt sich eines Tages möglicherweise in einen eingetragenen Verein. Wir führen Projekte durch, halten Vorträge, bearbeiten bestimmte Fragestellungen und veranstalten gemeinsame Treffen. Diese Aktivitäten entsprechen unserer Natur als Forscher, Unternehmer oder Entwickler: Forscher sind neugierig, planlos und locker. Sie wollen Wissen um des Wissens willen erwerben. Man sollte ihnen ermöglichen, Wissen zu erwerben, das sonst keiner hat. In Veranstaltungen und Veröffentlichungen geben sie dieses Wissen an andere weiter. Ihr Erfolgsmaßstab ist die Anerkennung in der Forschungsgemeinschaft. Anders als Forscher haben sich Unternehmer planvoll Ziele gesetzt. Sie möchten gestalten, bewegen und verändern. Ihr Erfolgsmaßstab ist die Unabhängigkeit von der Gesellschaft und die Bewertung des geschaffenen Nutzen in Geld. Geld wiederum ist Entwicklern egal. Entwickler wollen ausprobieren, ob etwas funktioniert. Sie haben einen ausgeprägten Spieltrieb und lassen sich leicht für neue Dinge begeistern. Sie erwerben Wissen, um es praktisch umzusetzen.