Rundbrief Nr. 2


Logbuch der U.S.S. Miracle

Das Gehirn. Wunderwerk der Natur.
Wir befinden uns im Jahr 2050 auf der
U.S.S. Miracle mit einer Besatzung von
über 400 Mann und dringen in Regionen
vor, die nie zuvor ein Mensch erforscht hat.


Sternzeit 5. November 1996
Hier spricht der Captain:


Eintrag ins Logbuch


Wir treffen uns am Samstag, den 16.11.96, um 21.00 Uhr bei mir in Reifenberg.



(1) Projekt Rug Warrior (MR; RD, JS, TR, SS)

Wir haben einen Rug Warrior (Teppichkrieger) gekauft. Er ist zur Zeit der günstigste Bausatz eines mobilen Roboters. Der Bausatz stammt vom MIT (Massachusetts Intitute of Technology). Finanziert haben wir ihn über unser Budget für Mobile Roboter, siehe unter (4). Nach dem Zusammenbau können wir verschiedene Verhaltensprogramme für ihn entwickeln. Die Computerprogramme, am PC geschrieben, werden über ein Kabel auf den Rug Warrior übertragen. Reihrum kann jeder, der Lust hat, mit ihm rumspielen, ihn beobachten und evtl. besondere Verhaltsprogramme schreiben.


(2) Was ist die U.S.S. Miracle ? (TR, MR;)

Wir müssen klären: Was ist die U.S.S. Miracle ? Wohin soll sie fliegen ? Die U.S.S. Miracle soll ein lockerer Zusammenschluß von (zukünftigen) Forschern, Unternehmern und Entwicklern mit einem bestimmten gemeinsamen Interesse, siehe unter (9), sein. Der bisher bestehende lockere Zusammenschluß, der für niemanden irgendwelche Verpflichtungen begründet, verwandelt sich eines Tages möglicherweise in einen eingetragenen Verein.


(3) Forscher, Unternehmer und Entwickler (MR, TR, SS;)

Aus der Diskussion über unsere Interessen beim letzten Treffen möchte ich folgendes einfaches kleines Modell entwickeln:

Forscher sind neugierig, planlos und locker. Sie wollen Wissen um des Wissens willen erwerben. Man sollte ihnen ermöglichen, Wissen zu erwerben, das sonst keiner hat. In Veranstaltungen und Veröffentlichungen geben sie dieses Wissen an andere weiter. Ihr Erfolgsmaßstab ist die Anerkennung in der Forschungsgemeinschaft. Anders als Forscher haben sich Unternehmer planvoll Ziele gesetzt. Sie möchten gestalten, bewegen und verändern. Ihr Erfolgsmaßstab ist die Unabhängigkeit von der Gesellschaft und die Bewertung des geschaffenen Nutzen in Geld. Geld wiederum ist Entwicklern egal. Entwickler wollen ausprobieren, ob etwas funktioniert. Sie haben einen ausgeprägten Spieltrieb und lassen sich leicht für neue Dinge begeistern. Sie erwerben Wissen, um es praktisch umzusetzen.

(4) Budget (MR, RD;)

Bisher haben wir ein Budget für Mobile Roboter (Einkauf, Betrieb, etc.) in Höhe von DM 2000,-. Für Bücher möchten wir noch ein Budget einrichten. Laufende Kosten fallen ansonsten an für Porto & Telefonate.


(5) Wodurch unterscheiden sich belebte von unbelebten Systemen ? (SB; SS, MR)

Was für ein Verhalten muß ein Mobiler Roboter zeigen, damit ein Beobachter ihn als Lebewesen bezeichnet ? Kann ein mechanisches, nicht biologisch-chemisches Gebilde überhaupt leben ? Kommt Fortpflanzung bei Lebewesen nur typischerweise vor, oder ist es wirklich ein Kriterium für Leben ? Setzt Bewußtsein, Denken, etc. Leben voraus ? Zu diesen Fragen möchten wir die Kriterien für Lebewesen, die in der Biologie gefunden wurden, kurz vorstellen:


  1. Chemischer Aufbau: Von ca. 100 auf der Erde vorkommenden Elementen finden sich in lebenden Systemen: C, O, H, N, S, P sowie Spurenelemente (K, Na, Ca, Mg, Cl, Fe, Mn, CO, B, Cu). Das Leben ist insbesondere an Kohlenstoffverbindungen gebunden.

  2. Zelluläre Organisation: Der Mensch besteht aus ca. 100 Billionen Zellen.

  3. Stoff- und Energiewechsel: Die Organismen sind, da sie mit der Umwelt ständig Stoffe und Energie austauschen, offene Systeme. Zur Aufrechterhaltung der Lebensprozesse und zur Erhaltung der Struktur muß der Organismus ständig Arbeit leisten. Dazu ist ein Fließgleichgewicht, d.h. eine Konzentrationseinstellung zwischen Zufuhr und Abfuhr von Stoffen notwendig.

  4. Reizbarkeit: Lebewesen haben die Fähigkeit, auf bestimmte Umweltreize zu reagieren. Die aktive Reaktion eines Organismus auf die einwirkenden Energieformen setzt entsprechende spezialisierte Rezeptoren voraus, die sich in derselben Zelle befinden können. Die sensorischen und effektorischen Funktionen können auch auf verschiedene Zellen verteilt sein.

  5. Höherer Ordnungsgrad: Nach thermodynamischen Grundsätzen streben alle Moleküle einen ungeordneten Zustand mit dem geringsten Energiegehalt (Entropie) an. Das geordnete Gefüge eines Organismus stellt eine höhere Ordnungsform dar, welche auf Grund des Fließgleichgewichts (siehe oben unter Stoff- und Energiewechsel) ständiger Energiezufuhr bedarf.

  6. Zweckmäßigkeit: Lebewesen sind in Bau und Funktion zweckmäßig konstruiert. Die Artenvielfalt ist das Resultat eines historischen Anpassungsprozesses, dem Mutation und Selektion zu Grunde liegen.

  7. Fortpflanzung: Die Fortpflanzung, bei der sich gleichartige Organismen aus bereits vorhandenen entwickeln, ist eine elementare Lebenserscheinung, die das Überleben, die Arterhaltung, sowie die stammesgeschichtliche Entwicklung ermöglicht. Die geschlechtliche Fortpflanzung hat gegenüber der ungeschlechtlichen den Vorteil, daß durch Rekombinationsprozesse (Neukombination von genetischem Material) die Variabilität unter den Nachkommen gefördert wird.


(6) zentraler Rechner (TR, MR;)

Wir könnten uns einen Rechner vorstellen, der für uns 24 Stunden am Tag zugänglich ist. Er soll uns dazu dienen, zentral Informationen abzurufen und abzuspeichern. Möglicherweise wäre eine World Wide Web Homepage der U.S.S. Miracle sinnvoll. Die für die Erstellung einer WWW Seite erforderliche Software haben wir. Alles andere, vor allem wie wir das Ganze realisieren, steht noch in den Sternen.


(7) Bücher (?)

Es wäre sinnvoll, die uns bekannten Bücher und Zeitschriften zu folgenden Themen zusammenzutragen und zu sichten: Bewußtsein, Gehirn, Neuronale Netze, Mobile Roboter, Leben, Forschungseinrichtungen & -förderung, Autobiographien von Unternehmern, Forschern und Entwicklern.


(8) Kongresse, Messen & sonstige Veranstaltungen (MR;)

Um über den Tellerrand hinauszuspähen, Neues mitzubekommen und Ideen zu sammeln, ist es sinnvoll, zumindest einmal im Jahr Kongresse, Messen oder ähnliche Veranstaltungen zu besuchen. Eine Übersicht über die Veranstaltungen ist bei der Touristenauskunft jeder größeren Stadt erhältlich. Als kleine Anregung, was interessant sein könnte, möchte ich ein paar Veranstaltungen aufführen, die manche von uns besucht haben:

1. Innovativer Medizinerkongreß (Medicine goes Electronic), Nürnberg

Cebit 96, Hannover

Medizin und Ethik, Nürnberg

Hobby + Elektronik 96, Stuttgart


(9) Crew-Auswahl (MR, SS, TR;)

Einige Kriterien für eine Crew Auswahl wurden beim letzten Treffen abgelehnt. Vielleicht können wir uns auf folgendes einigen: Die Crew Mitglieder sollten durch das gemeinsame Interesse an bestimmten Themen, wie z.B. Bewußtsein, Gehirn, Neuronale Netze, Mobile Roboter, Leben, verbunden sein. Sie müssen technologie- und innovationsfreundlich sein. Sie haben den Wunsch, zu einem Team von Profis zu gehören, weil bestimmte Erfolge nur durch ein Team von Profis zu erreichen sind.